Judo – „der sanfte Weg“
Was ist Judo?
Judo kann vieles sein. Für die einen ist es eine Kampfkunst, für die anderen ein Zeitvertreib, eine soziale Aktivität, eine Art der Selbstverteidigung, eine Lebenseinstellung oder einfach nur ein Sport um in Form zu bleiben.
Kodokan Judo wurde im Jahre 1882 von Jigoro Kano gegründet. Es entspringt einer Revolutionierung der traditionellen japanischen Kampfkunst Jiu-Jitsu, aus der Kano alle gefährlichen Techniken, wie Stöße, Schläge und Tritte entfernte.
Judo wurde 1964 bei den Olympischen Spielen eingeführt und wird seitdem von Millionen weltweit praktiziert.
Bedeutung
Judo (jap. 柔道 jūdō = (wörtlich) sanfter Weg) ist eine japanische Kampfsportart, deren Prinzip „Siegen durch Nachgeben” beziehungsweise „maximale Wirkung bei einem Minimum an Aufwand” ist. Der Begründer des Judo ist Jigoro Kano (1860–1938). Die angewandten Techniken sind hauptsächlich Würfe, Halte-, Hebel- und Würgetechniken.
Judo ist aber nicht nur ein Weg der Leibesertüchtigung, sondern darüber hinaus auch eine Philosophie zur Persönlichkeitsentwicklung. Zwei philosophische Grundprinzipien liegen dem Judo im Wesentlichen zugrunde. Zum einen das gegenseitige Helfen und Verstehen zum beiderseitigen Fortschritt und Wohlergehen (jita-kyoei) und zum anderen der bestmögliche Einsatz von Körper und Geist (sei-ryoku-zenyo).
Ziel ist es, diese Prinzipien als eine Haltung in sich zu tragen und auf der Judomatte (Tatami) bewusst in jeder Bewegung zum Ausdruck zu bringen. Ein Judo-Meister hört demnach niemals auf, Judo zu praktizieren, auch wenn er nicht im Dōjō (Trainingshalle) ist.
Das Kōdōkan (jap. 講道館; „Lehrhalle des Weges“) ist die älteste und bedeutendste Judo-Schule der Welt. Sie befindet sich in dem Tokyoter Stadtbezirk Bunkyō und wurde 1882 von Jigoro Kano selbst gegründet.
Entstehung
Der Urpsrung des Judo reicht bis ins 8. Jahrhundert zurück. Damals wurden bereits Ringkämpfe veranstaltet, aus denen später das heutige Sumo-Ringen und Judo entstanden.
Mit dem Ende der Tokugawa-Zeit (auch Edo-Periode, 1603–1867) und der Öffnung Japans gen Westen kam es auch zu starken Veränderungen in der japanischen Gesellschaft. Die japanischen Künste wurden stark zurückgedrängt, alles „westliche“ hatte Vorrang. Doch schon zu Beginn der achtziger Jahre gab es eine Rückbesinnung in Bezug auf die geistlichen und sittlichen Werte.
Jigoro Kano wuchs in diesem Japan der extremen Veränderungen auf. Er lernte Jiu-Jitsu an verschiedenen Schulen wie der Tenshinshinyo-Ryu und der Kito-Ryu.
1882 gründete Jigoro Kano seine eigene Schule, den Kodokan („Ort zum Studium des Weges“) in der Nähe des Eisho-Tempels im Stadtteil Shitaya in Tokio. Er nannte seine Kunst Judo – „der sanfte Weg“. Beim Judo befreite er die alten Jiu-Jitsu-Stile von gefährlichen Elementen. Stöße, Schläge, Tritte und viele Hebeltechniken, insbesondere die Kleingelenkhebel, wurden ersatzlos gestrichen oder in die Kata integriert. Die verbleibenden Techniken ermöglichten einen sportlichen Zweikampf, ohne dass größere Verletzungen zu befürchten waren.
Judo setzte sich in Japan allerdings erst durch, als die Schüler Kanos (zuvor Jiu-Jitsu Praktizierende) im Jahre 1886 einen regulären Kampf zwischen der Kodokan-Schule und der traditionellen Jiu-Jitsu-Schule „Ryoi-Shinto Ryu“ für sich entscheiden konnten. Aufgrund dieses Erfolges verbreitete sich Judo in Japan rasch und wurde bald bei der Polizei und der Armee eingeführt. 1911 wurde Judo an allen japanischen Mittelschulen Pflichtfach.
Internationale Wettkämpfe
Bei den Olympischen Spielen in Tokio, 1964, war Judo erstmals als olympischer Sport zu sehen. Zu diesem Anlass brachte sowohl die Deutsche Bundespost, als auch die Deutsche Post der DDR eine 20 Pfennig Briefmarke mit Judomotiv raus. 1968 bei den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt wurde Judo zunächst wieder aus dem olympischen Programm gestrichen. Seit 1972 bei den Olympischen Spielen in München gehört Judo jedoch beständig zum Olympischen Programm. War Judo zunächst eine Männerdomäne, so wurde 1988 Frauen-Judo bei den Olympischen Spielen in Seoul als Demonstrationswettbewerb vorgestellt. Seit den Olympischen Spielen in Barcelona 1992 ist auch Frauen-Judo im olympischen Programm.
1956 fanden in Tokio die ersten Weltmeisterschaften statt. Damals gab es allerdings nur eine offene Gewichtsklasse. 1961 bei den dritten Weltmeisterschaften in Paris wurden dann erstmals Gewichtsklassen eingeführt. Dort gelang es dem Niederländer Anton Geesink erstmals die Vormachtstellung der Japaner zu brechen und die japanischen Judoka zu besiegen.
Im Jahre 1988 war Judo erstmals bei den Paralympics in Seoul mit dabei. Seit 2004 in Athen gibt es auch Frauen-Judo im Programm der Sommer-Paralympics. Judo wird bei diesen Spielen von Blinden und Menschen mit geringem Sehvermögen praktiziert. Die paralympischen Athleten folgen denselben Regeln wie die Nichtbehinderten. Eventuelle Defizite werden durch zusätzliche Regelungen ausgeglichen. So besteht ein wesentlicher Unterschied darin, dass sich die Kämpfer und Kämpferinnen zur besseren Orientierung vor Kampfbeginn berühren dürfen.
Heute wird Judo in über 150 Ländern ausgeübt und ist damit die weitest verbreitete Kampfsportart der Welt.

